Foto: Stefan Müller-Naumann
"Die Reise ins Nichts"

Die Freude des Handwerkers ist es, wenn er stundenlang an etwas bastelt und es hinterher dann tatsächlich funktioniert. Das geilste Erlebnis für einen Regisseur ist es, wenn bei der Premiere nicht nur die Schauspieler, sondern auch die Zuschauer das tun, was man sich so vorgestellt hat. Abgesehen vom Applaudieren gibt es da einige Anforderungen, die ein manierliches Publikum erfüllen muss.

Die Faszination, Leute durch komplizierte Rollenspiele zu scheuchen, habe ich kurz nach dem Abitur entwickelt. Zunächst war ich von diesem eigenartigen Drang selbst etwas überrascht - alle anderen aber noch viel mehr.

Während des Studiums in Göttingen habe ich dann hemmungslos Theater gemacht. Nachdem ich zunächst bei der Dramaturgischen Abteilung der Uni Göttingen und den Göttinger Kammerspielen mitgewirkt habe, wollte ich unbedingt mein erstes eigenes Stück verwirklicht sehen: "Wohm". Weil mein damaliger Regisseur und Freund Michael Thannheiser trotz meiner Beharrlichkeit nichts davon wissen wollte, suchte ich, völlig zermürbt, ein paar Enthusiasten, gründete mit ihnen das "Zer-Kuns-Theater" und inszenierte das Stück vor Verzweiflung selbst.

Es folgten die Inszenierungen "Der eingebildete Kranke" von Molière, "Die Reise ins Nichts", bei dem ich ein Gedicht von Charles Baudelaire im Original und 14 deutschen Übersetzungen dramatisierte und "Die Bewerbung" nach einem eigenen Text.

Für "Wer war Laszlo Natter - Folge 20" taufte ich das Zer-Kuns-Theater in "Theater-Ambulanz-Göttingen" um: Das Stück bestand aus Werbetexten und der Folge 20 eines Arzt-Romans aus der Apotheken-Umschau. Für diese Inszenierung erhielt die Gruppe den Kulturpreis des Landkreises Göttingen. Die Siegesfeier steht übrigens noch aus!

Mit zwei Darstellern inzenierte ich mein Stück "Sindbads Visionen". Die letzte Göttinger Produktion war das Mono-Drama "De Profundis - Solo mit Gott", in dem ich einen Briefträger spielte, der die "Lizenz zum Öffnen" hat.

Seit dieser Zeit ist theatermäßig nicht viel passiert. Aber wer weiß, vielleicht ist das ja nur die Ruhe vor dem Sturm.